Samstag, 30. Mai 2026

Was wächst und blüht im Sädelrain im Mai?

 

Wenn's herbstet, erster Nebel liegt oder vielleicht etwas Nieselregen fällt, die Vögel verstummt und die Pflanzen verwelkt sind, dann herrscht einmal an einem Vormittag im November emsiges Treiben hier im Sädelrain. Man hört den regelmässigen Rhythmus von grossen Rechen. Schwer beladene Plachen gleiten über den Boden, die mit dem gemähten Schnittgut beladen sind, begleitet vom Quietschen der Kinder, die darauf den Hang hinunterrutschen dürfen. Und man hört das Geplauder, der grossen und kleinen Leute vom Naturschutzverein Seen, die hier mit vollem Einsatz an der Arbeit sind. 
Zwar macht die Arbeit im schönen Naturschutzgebiet vor allem auch den Kindern der Jugendgruppe Eisvogel Spass. Aber doch taucht immer wieder die Frage auf: warum machen wir das überhaupt?Wachsen die Pflanzen nicht auch ohne uns? 
Darum haben wir beschlossen, mit der Jugendgruppe und interessierten Erwachsenen einmal im Mai dieses Gebiet zu besuchen.
Nachdem die 10 Jugendlichen, einige Eltern und wir drei vom Leiterteam im Gebiet angekommen sind, schauen wir uns die Pflanzen auf dem Boden genauer an. Dazu haben wir einen m2 abgesteckt. Welche Pflanzen finden wir hier? Jeder zeichnet auf seine Schiefertafel ein Blatt oder eine Blüte einer Pflanze. Anschliessend versuchen wir herauszufinden, welche Pflanzen gezeichnet wurden und stecken Fähnli  dazu.
Am Schluss stecken 10 Fähnli im Boden und wir haben schon einige Pflanzen kennengelernt, den Schmerwurz mit seinen schönen Herzliblättern, den Salomonssiegel, den Schachtelhalm oder die Blätter der Waldrebe.
Jetzt bekommen alle Teilnehmenden A4 Blätter mit Bildern von vielen verschiedenen Waldpflanzen drauf. Gute Beobachtung ist gefragt! Bei einem Rundgang über den etwas verwitterten aber wunderschönen Waldlehrpfad entdecken wir einige dieser Pflanzen und kleben ein Blatt oder eine Blüte davon zum Bild. Die Kids haben jedesmal Freude, wenn sie ein passendes Blatt gefunden haben. Das Purpurknabenkraut ist zwar schon verblüht und wir sehen nur noch die Samenstände, dafür entdecken wir einen wunderschön blühenden Türkenbund.
Den zweiten Teil des Vormittags ist den Schmetterlingen gewidmet. Beim Spiel: "wär hat gern Schoggi, Spinat, Gmüessuppe, .... " machen die Kinder gerne mit. Ja, aber was haben denn die Schmetterlinge respektiv ihre Raupen gern? Diese haben nämlich auch ihre Vorlieben: die Raupe des Zitronenfalters mag nur Faulbaumblätter, der kleine Fuchs nur Brennnessel oder die Raupe des kleinen Eisvogels ernährt sich nur vom Geissblatt (Heckenkirsche). 
Mit diesem Wissen könnten wir uns auf die Suche zum Beispiel nach den Raupen des Zitronenfalters machen. Dafür bleibt uns die Zeit jetzt nicht mehr und wir sind auch schon etwas müde vom vielen Beobachten an diesem letzen und warmen Maimorgen. 
Also: der jährliche Einsatz lohnt sich, um diese grosse Vielfalt erhalten zu können!